
- Aufnahmedaten
- Skywatcher Quatro 8“ f4 Newton, 800 mm, guiding 80/240 mm, Zwo Asi 120MM-S, PHD2
- Zwo ASI 1600 MM Pro, gaim 76, offset 50, -15oC
- TsOptics 1.25“ RGB (66:109:94 x 60s, ges. 4.5 h)
- 50 flats, darkflats, 30 darks
- Nina, APP, PI, Affinity Photo
- Aufnahmedaturm 13.11.2024
…. auf den Spuren von Euclid, dem neuen ESA Weltraumteleskop mit bisher einzigartiger Auflösung. Am 07.11.2023 wurden die ersten Aufnahmen dieses Telekopes veröffentlicht.
Eines der hochauflösenden Bilder zeigte die ca. 1000 Galaxien im Perseuscluster. Spektakulärer aber sind die geschätzt 100.000 Galaxien im Hintergrund dieses Weltraumsegmentes. Teilweise sehr schwache, kleine Galaxien, deren Licht bis zu 10 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war.
Der Perseus‑Galaxienhaufen (Abell 426) ist einer der massereichsten, hellsten und am besten untersuchten Galaxienhaufen im nahen Universum. Er liegt rund 240 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Perseus und enthält tausende Galaxien, eingebettet in ein extrem heißes, millionengradiges Plasma, das den gesamten Haufen durchzieht. Mit einer Gesamtmasse von etwa 600–650 Billionen Sonnenmassen zählt Perseus zu den größten gravitativ gebundenen Strukturen in kosmischer Nachbarschaft. Seine enorme Röntgenhelligkeit macht ihn zum hellsten Galaxienhaufen im Röntgenbereich, dominiert vom zentralen aktiven Galaxienkern NGC 1275, dessen Jets und Radioblasen das intraklastische Medium aufheizen und charakteristische Hohlräume in den Röntgendaten erzeugen. Die beobachteten Gasbewegungen, Druckwellen und akustischen Wellen im heißen Plasma zeigen eindrucksvoll die Wirkung von AGN‑Feedback, das die Kühlung des Gases reguliert und die Sternentstehung im Zentrum beeinflusst. Gleichzeitig offenbaren moderne Beobachtungen, dass der Haufen keineswegs vollständig relaxed ist: Substrukturen wie die Galaxien IC 310 und NGC 1265 weisen auf dynamische Prozesse und vergangene Verschmelzungen hin, deren Spuren sich in gekrümmten Radiotails und asymmetrischen Gasverteilungen zeigen. Gravitationslinsenmessungen enthüllen zudem eine massive Dunkle‑Materie‑Unterstruktur westlich des Zentrums, verbunden durch eine schwache „Dunkle‑Materie‑Brücke“, die auf eine Kollision vor rund fünf Milliarden Jahren hinweist. Neueste Euclid‑Daten zeigen darüber hinaus ein ausgedehntes intra‑cluster‑Licht, das etwa 20 % der Gesamthelligkeit beiträgt und aus Sternen besteht, die durch gravitative Wechselwirkungen aus ihren Heimatgalaxien gerissen wurden. Insgesamt ist der Perseus‑Haufen ein Paradebeispiel für die komplexe Wechselwirkung zwischen Gravitation, heißem Gas, Dunkler Materie und aktiven Galaxienkernen – ein kosmisches Labor, das die physikalischen Prozesse der Galaxienhaufenentwicklung in außergewöhnlicher Detailtiefe sichtbar macht.
Quellen: Perseus Cluster – Wikipedia Churazov et al. (2026): Perseus cluster in its X-ray entirety with SRG/eROSITA Subaru Telescope (2025/2026): Hidden Cosmic Collision & Dark Matter Bridge in the Perseus Cluster Max‑Planck‑Gesellschaft (2024): Euclid-Daten zum diffusen Licht im Perseus-Galaxienhaufen


