IC 1795 (Fischkopfnebel)

AUFNAHMEDATEN

  • EQ6-R Pro in Gartensternwarte (Linie 1), guiding Skywatcher Evoguide 50Ed 230 mm, ZwoASI 220mini
  • Skywatcher Quattro f4 200/800 mm
  • Touptek 2600kma -5oC, gain 100/offset 100
  • Baader 2“ LRGB (304:100:100:100*120s), gesamt 20.1 h
  • 50flats/darkflats, 100darks
  • Nina, APP, PI, Affinity by Canva
  • Aufnahme Daten: 20-24.11.2025

IC 1795, „Fischkopfnebel“, ist ein ausgeprägter Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia, der Teil des großflächigen Sternentstehungsgebietes W3/W4/W5 im Perseus‑Arm der Milchstraße ist. Der Nebel liegt in einer Entfernung von etwa 6.000 Lichtjahren und bildet gemeinsam mit dem helleren Teil NGC 896 die westliche Spitze des bekannten Herznebels (IC 1805). IC 1795 besteht aus ionisiertem Wasserstoffgas, das durch die intensive ultraviolette Strahlung junger, massereicher O‑ und B‑Sterne zum Leuchten angeregt wird. Die Region zeigt eine komplexe Morphologie aus hellen Ionisationsfronten, dichten Staubstrukturen und filamentartigen Gaszonen, die durch die Wechselwirkung zwischen Sternwinden, Strahlungsdruck und der ursprünglichen Molekülwolke geformt werden. Besonders auffällig sind die kontrastreichen H‑Alpha‑Emissionen, die die großflächige Struktur des Nebels dominieren, während OIII‑Emissionen vor allem in den inneren, stärker ionisierten Bereichen auftreten.

Astrophysikalisch ist IC 1795 ein aktives Sternentstehungsgebiet, das zahlreiche Young Stellar Objects, eingebettete Protosterne und mehrere Herbig‑Haro‑Objekte enthält. Die Region zeigt deutliche Hinweise auf radiativ getriggerte Sternentstehung, bei der die expandierende Ionisationsfront des benachbarten Sternhaufens im Herznebel die Molekülwolke komprimiert und neue Sternentstehung auslöst. Beobachtungen im Infrarot und Submillimeterbereich belegen die Existenz dichter Kerne und warmer Staubzonen, die typische Signaturen früher Entwicklungsstadien darstellen. Die chemische Zusammensetzung des Nebels entspricht der eines klassischen H‑II‑Gebiets mit dominanter Wasserstoffemission und schwächeren Linien von Sauerstoff und Schwefel. Für die Amateurastronomie ist IC 1795 ein bevorzugtes Objekt für Schmalbandfotografie: H‑Alpha‑Filter zeigen die großflächige Nebelstruktur, während OIII‑Aufnahmen die inneren Filamente hervorheben. Aufgrund der sternreichen Umgebung ist eine sorgfältige Sternreduktion in der Bildbearbeitung oft notwendig, um die feinen Nebelstrukturen klar herauszuarbeiten.

Quellen: SIMBAD Astronomical Database, CDS Strasbourg; NASA/IPAC Extragalactic Database (NED); Megeath et al. (2012): Star Formation in the W3/W4/W5 Complex; Harris et al. (2003): Ionization and Structure in Galactic H‑II Regions; Gaia DR3 Astrometrie & Photometrie.

annotierte Version

Die grobe Bezeichung „Fischkopfnebel“ finde ich eigentlich unpassend. Ich sehe hier vielmehr eine schlafende Schönheit im Zentrum: