IC 410 (Kaulquappen-Nebel)

  • Aufnahmedaten
  • EQ6-R Pro in Gartensternwarte (Linie 1), guiding Skywatcher Evoguide 50Ed 230 mm, ZwoASI 220mini
  • Skywatcher Quattro f4 200/800 mm
  • Touptek 2600kma -5oC, gain 100/offset 100
  • Baader 2“ LRGB (69:51:50:50*90s), 2“ Ha OIII SII Baader CCD (38:39:38*300s), gesamt 15.1 h
  • 50flats, darkflats, 100darks
  • Nina, APP, PI, Affinity by Canva
  • Aufnahme Daten: 24. u. 25.12.2025 in einem kleinen Dorf an der Elbe in MV, ca. 20 m ü.0

IC 410 ist ein ausgedehnter Emissionsnebel im Sternbild Auriga, der in einer Entfernung von etwa 12.000 Lichtjahren liegt und eng mit dem eingebetteten offenen Sternhaufen NGC 1893 verbunden ist. Der Nebel gehört zu einer aktiven Sternentstehungsregion im Perseus‑Arm der Milchstraße und zeigt die typischen Merkmale eines ionisierten Wasserstoffnebels: leuchtende H‑II‑Zonen, dunkle Staubstrukturen und dynamische Formen, die durch die Strahlung und Winde junger, massereicher Sterne geformt werden. Die UV‑Strahlung der O‑ und B‑Sterne des Haufens regt das Gas zum Leuchten an und erzeugt ein komplexes Netzwerk aus Filamenten, Stoßfronten und Verdichtungszonen. Besonders markant sind die beiden länglichen, geschwungenen Gas‑ und Staubstrukturen im südlichen Bereich des Nebels, die als „Tadpoles“ oder „Kaulquappen“ bekannt sind. Diese Gebilde bestehen aus dichtem Material, das durch die intensiven Sternwinde erodiert und gleichzeitig komprimiert wird, wodurch möglicherweise neue Sternentstehung ausgelöst wird. Die Region enthält zahlreiche Young Stellar Objects, Protosterne und Herbig‑Haro‑Objekte, die die hohe Aktivität der Molekülwolke belegen.

Astrophysikalisch ist IC 410 ein bedeutendes Labor zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen jungen Sternhaufen und ihren Geburtswolken. Die Kombination aus ionisiertem Gas, dichten Staubknoten und dynamischen Strukturen zeigt eindrucksvoll, wie Sternwinde und Strahlung die Morphologie einer Molekülwolke verändern und wie aus chaotischen Gasansammlungen geordnete Strukturen entstehen. Für Beobachter in Mitteleuropa ist IC 410 ein klassisches Winterobjekt, das zwischen Dezember und März hoch genug über dem Horizont steht. Visuell zeigt sich der Nebel nur in größeren Teleskopen und unter sehr dunklem Himmel, doch fotografisch entfaltet er seine ganze Komplexität: H‑Alpha‑Belichtungen bringen die feinen Gasstrukturen hervor, während OIII‑Anteile die zentralen Bereiche um NGC 1893 betonen. Die Kaulquappen erscheinen als dunkle Silhouetten vor dem leuchtenden Hintergrund und machen IC 410 zu einem der charakteristischsten Emissionsnebel des Auriga‑Gebiets.

Quellen: SIMBAD Astronomical Database, CDS Strasbourg; Gaia DR3 Astrometrie & Photometrie; Harris et al. (2010): Star Formation in NGC 1893; NASA/IPAC Extragalactic Database (NED); Bally et al. (2008): Overview of Star‑Forming Regions in the Perseus Arm.

annotierte Version:

hier eine widefield-Aufnahme der Region:

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