
Im Vergleich zu bunten, kontrastscharfen Nebeln mit ihren vielen Details und abwechselnden Farben, oder imposanten Großgalaxien in einem spannenden Hintergrundfeld wirken Kugelsternhaufen auf den ersten Blick eher unscheinbar. Meine nicht-astroaffine Frau findet sie sogar eher langweilig und alle irgendwie gleich.
Ich sehe das anders, weil ich sie einerseits theoretisch spannend finde und sie mit ihren vergrößerten Kernbereich mit den hunderttausenden Sternen auf relativ engen Raum in Großaufnahme ausgesprochen schön finde. Ich erinnere mich noch gut an einen Besuch im Hamburger Planetarium, wo ein großes Hubble-Poster von M 2 hing.
Hier ein kurzer Bericht über meine Entwicklungsfortschritte bezüglich Astrobilder von Kugelsternhaufen am Beispiel von M3 und M 13.
Hier einige kurz zusammengefasste, allgemein verfügbare Fakten, die ein bißchen den Hintergrund der Faszination von Kugelsternhaufen erklären:
Kugelsternhaufen:
große Zahl (mehrere hunderttausend) gravitativ aneinander gebundener Sterne, deren Dichte eine kugelsymmetrische Verteilung bewirken muss.
- sind ihrerseits gravitativ an größere Galaxien gebunden, bewegen sich auf langgezogenen elliptischen Bahnen in deren Halos
- sind insgesamt häufig. In der Milchstraße sind bisher ca. 150 Kugelsternhaufen bekannt, in M 31 ca. 500, in M 87 ca. 10.000? In der Milchstraße findet man die meisten im Südsternhimmel
- die Sterne in einem Kugelsternhaufen sind alle ungefähr gleich alt und zeigen meist keine Spektrallinien von schwereren Elementen (> Helium, = „metallarm“) = hohes Sternalter, entstanden in einer Zeit, wo es noch keine schweren Elemente gab. Junge Sterne, z.B. in offenen Sternhaufen, enthalten recyceltes Material mit schwereren Elementen („metallreich“)
- die galaktische Evolution von Kugelsternhaufen ist noch? weitgehend unklar
- in Halos einiger elliptischer Galaxien gibt es auch einige sehr junge Kugelsternhaufen, die im Zuge von Kollisionen entstanden sein könnten
- einige Kugelsternhaufen wie Omega Centauri in der Milchstraße sind besonders schwer (10 Mill. Sterne) und weisen mehrere Sternpopulationen auf. Sind möglicherweise Kerne von fusionierten Zwergalaxien? In M 15 wird diesbezüglich auch ein schwarzes Loch vermutet und inzwischen auch für andere Haufen diskutiert.
- M 22 war der erste entdeckte Kugelsternhaufen (1665, Johan Abraham Ihle)
- erster Katalog nach Nicolas Louis de Lacialle 1751, William Herschel dann 1782 mit 33 bekannten, 1789 mit weiteren 37, in denen dann auch Einzelsterne nachgewiesen werden konnten. Herschel prägte auch den Begriff Kugelsternhaufen
Aufnahmebedingungen
in allen Astroforen weltweit findet man Diskussionen über die idealen Bedingungen für Aufnahmen von Kugelsternhaufen. Diskutiert werden z.B. die Auflösung von Teleskopen/Kameras, Belichtungsdauer (reichen Minuten oder müssen Langzeitaufnahmern sein?, unbedingt dunkle, klare Nächte notwendig? etc. etc.
Meine eigenen Erfahrungen:
Kugelsternhaufen sind relativ klein. Wenn man was sehen will, braucht es halt Öffnung und Brennweite. Meine f4 Newtons von 800 bzw. 1016 mm Brennweite schlagen sich dabei gut. Da hier viele Sterne im Bild aufgelöst sein sollen, ist ein gute Fokuslage und auch eine gute Kollimation des Teleskopes hilfreich.
Eine Monokamera ist hier auch klar im Vorteil. Für die faszinierende Farbigkeit der Sterne sind dabei die RGB Anteile entscheidend. Die Luminanz bringt Schärfe und Rauscharmut für den Randbereich und das Umfeld mit. Wer den schönen Sternhaufen nicht auf schwarzen Hintergrund sehen will, braucht deshalb auch möglichst Luminanz, also idealerweise auch viel Gesamtbelichtungszeit , auch im Fall eine OSC Kamera (> 3 h-?).
Der Einsatz von Filtern ist eher sinnfrei, spezifisches Licht wird es aus einigen Sternen sicher geben, aber das wird man damit nicht rausfiltern können.
Der Kern ist ja in jedem Fall geballtes Licht von Sternen, dass man mit keinem Telekop wirklich auflösen kann. Aufgelöst werden allenfalls Sterne an der Oberfläche, meist rote Riesen und blaue Hauptreihensterne. Deshalb spielt wohl auch die Einzelbelichtungszeit keine so? entscheidende Rolle, es gibt Super-Aufnahmen mit Monokameras mit sehr langen Einzelbelichtungzzeiten LRGB von 5 min) .
z.B. hier http://de-regt.com/Astronomy/M3.full.htm, …… die genauso gut sind wie kurzbelichtete Einzelframes
Ich habe mich zuletzt trotzdem lieber (mehr gefühlsmäßig) an relativ kurze Einzel-Belichtungszeiten von 30s bei RGB gehalten. Inwieweit sich unsere Kurzzeitexperten im Astrotreff mit Kugelsternhaufen beschäftigt haben, weiß ich nicht.

M 3 (NGC 5272) ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Jagdhunde, ca. 34.000 Lichtjahre entfernt.
Er hat einen Durchmesser von etwa 125 Lichtjahren mit einer halben Million Sterne.
EQ6-R Pro in Gartensternwarte (Linie 1), guiding Skywatcher Evoguide 50Ed 230 mm, ZwoASI 220mini
TsOptic 10“ f4 254/1016mm
Touptek 2600kma -10oC, gain 100/offset 100
Baader 2“ LRGB (L: 317*120s) (RGB 257:280:276*30s), gesamt 17.3 h
50flats, darkflats, 100darks
Nina, APP, PI, Affinity Photo 2
Aufnahme Daten: 26.-28.04.2025

M13 ist der hellste (5.8 mag) Kugelsternhaufen der Nordhalbkugel, ca. 500.000 Sterne, 25000 Lichtjahre entfernt.
hier eine 12 h Aufnahme mit meinem 10“ Newton, eine Zwischenstufe für geplant ca. 30 h bei Neumond, falls es denn wettertechnisch klappt.
EQ6-R Pro in Gartensternwarte (Linie 1), guiding Skywatcher Evoguide 50Ed 230 mm, ZwoASI 220mini
TsOptic 10“ f4 254/1016mm
Touptek 2600kma -10oC, gain 100/offset 100
Baader 2“ LRGB (L: 231*120s) (RGB 190:179:180’30s), gesamt 12.4 h
50flats, darkflats, 100darks
Nina, APP, PI, Affinity Photo 2
