LDN 673

AUFNAHMEDATEN

  • EQ6-R Pro in Gartensternwarte, guiding SvBony 60/240 mm ZwoAsi220mini PHD2
  • Canon 6D iso 3200, kein Filter, (97x90s, 2.4 h)
  • 50flats, darkflat, 100darks
  • Nina, APP, PI, Affinity Photo V3 by Canva
  • Aufnahmezeitpunkt: Besitz, 01.08.2022 Dorflage Mecklenburg-Vorpommern Bortle 3-4

LDN 673 ist ein stark segmentierter Dunkel- und Molekülwolkenkomplex im Sternbild Aquila, eingebettet in den großräumigen Aquila Rift, einer ausgedehnten Ansammlung dichter interstellarer Staub- und Gaswolken. Die Wolke liegt in einer Entfernung von etwa 400–600 Lj, basierend auf Gaia‑Parallaxen von 15 identifizierten Mitgliedssternen, die eine Distanz von 407 pc (≈ 1330 Lj) ergeben. Diese Werte zeigen, dass LDN 673 Teil einer nahen, strukturell komplexen Molekülwolke ist, deren Segmente unterschiedliche Tiefen entlang der Sichtlinie besitzen.

Die Wolke besteht aus kaltem, dichtem interstellarem Material, dessen Staubpartikel submikrometergroß sind und mit gefrorenem CO und N₂ bedeckt sind. Diese Zusammensetzung führt zu einer starken Absorption im optischen Bereich, sodass LDN 673 das Licht der dahinterliegenden Sterne vollständig blockiert und als markante Dunkelstruktur erscheint. Die Region ist astrophysikalisch besonders interessant, da sie mehrere aktive Sternentstehungszonen enthält. Beobachtungen in Hα und SII zeigen mindestens zwölf Herbig‑Haro‑Objekte, die auf kollimierte Jets junger Sterne hinweisen.

Im Umfeld befinden sich weitere Dunkelnebel wie LDN 676 und LDN 677, die gemeinsam ein großflächiges Netzwerk aus Staubfilamenten bilden. In der Nähe liegen zudem zwei kleine Reflexionsnebel: GN 19.18.0 sowie ein Nebel um den T‑Tauri‑Stern V1352 Aql, der zusammen mit dem kompakten HH 32 ein weiteres Zeichen aktiver Sternentstehung darstellt.

Morphologisch zeigt LDN 673 eine stark fragmentierte Struktur mit zahlreichen dichten Kernen, die als potenzielle Geburtsstätten zukünftiger Sterne gelten. Die Wolke ist Teil des Great Rift, einer Serie überlappender Dunkelwolken, die die Milchstraße visuell in zwei Hälften teilt. Schätzungen zufolge enthalten die Molekülwolken des Aquila Rift insgesamt bis zu einer Million Sonnenmassen an Gas und Staub, ausreichend für die Bildung großer Sternhaufen.

LDN 673 wurde im Lynds Catalogue of Dark Nebulae (1962) erfasst, der über 2000 Dunkelwolken der Milchstraße dokumentiert. Die Region ist ein Paradebeispiel für die frühe Phase der Sternentstehung: kalte Molekülwolken, eingebettete junge Sterne, Reflexionsnebel und Herbig‑Haro‑Objekte bilden ein dynamisches, sich entwickelndes astrophysikalisches Umfeld.

Quellen

  • Lynds, B. T. (1962): Catalogue of Dark Nebulae – Klassifikation und Katalogeintrag von LDN 673.
  • Herczeg et al. (2019): Gaia‑basierte Distanzbestimmung von 407 pc für LDN 673.
  • Rector et al. (2018): Nachweis von zwölf Herbig‑Haro‑Objekten in LDN 673.
  • Su et al. (2020): Analyse der YSO‑Population und aktiver Sternentstehung in LDN 673.
  • Beobachtungsdaten zu Reflexionsnebeln GN 19.18.0, V1352 Aql und HH 32.
  • Friends of NASA (2023): Beschreibung des Aquila Rift und der großräumigen Molekülwolkenstruktur.

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