Lower’s Nebula (Sharpless 261 oder LBN 863)

06.05.2026
AUFNAHMEDATEN
Linie 1 EQ6-R Pro in Gartensternwarte, guiding SvBony 60/240 mm ZwoAsi220mini PHD2
TS Photon 10“ f4 Newton 256/1016 mm
Touptek APT3CMOS 2600kma, gain 100 offset 100, -5oC
Astrodon RGB 50 mm (35:65:55*90s), Baader CCD Ha 2“ (7 nm) (71x300s), gesamt bisher 9.7 h
50flats, darkflat, 100darks; Nina, APP, PI, Affinity Photo V3 by Canva
01.03.-05.3.2026 Dorflage Mecklenburg-Vorpommern Bortle 3-4

Sharpless 261, häufig Lower’s Nebula genannt, ist eine großflächige H‑II‑Region im nördlichen Teil des Orion, deren charakteristische tiefrote Emission durch die intensive UV‑Strahlung des massereichen O‑Sterns HD 41997 erzeugt wird. Dieser Stern, heute als O7.5III klassifiziert, gilt als Runaway‑Star, der mit hoher Eigenbewegung durch das interstellare Medium wandert und die umgebenden Gas- und Staubstrukturen dynamisch formt. Die Region zeigt ein komplexes Geflecht aus Filamenten, Blasenstrukturen und dunklen Staublinien, die durch die Strahlungs- und Druckwirkung des Sterns herausgearbeitet werden. Visuell erscheint Sh2‑261 als großflächiger, sehr lichtschwacher Nebel mit einem markanten zentralen Hohlraum, der ihm das Aussehen eines „Auges“ verleiht – daher der Beiname „Eye of Ra“.

Die Entdeckung erfolgte 1939 durch Harold und Charles Lower, die mit einer selbstgebauten 8‑Zoll‑Schmidt‑Kamera erstmals tiefe Rotlichtaufnahmen dieser Region anfertigten. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Nebel in mehreren bedeutenden Katalogen geführt, darunter Cederblad 64, Siméis 34 und später Sharpless 2‑261. Stewart Sharpless schätzte den Durchmesser der Region auf etwa 45 Bogenminuten und beschrieb ihre Form als unregelmäßig. Moderne Radio- und CO‑Messungen zeigen, dass Sh2‑261 am Rand des Gemini OB1 Molecular Cloud Complex liegt, wobei die Distanzschätzungen stark variieren: Werte zwischen 1,0 kpc, 1,8 kpc und 2,4 kpc werden in der Literatur genannt, was die Unsicherheit über die genaue Position innerhalb der Milchstraßenstruktur widerspiegelt. Je nach angenommener Entfernung könnte Sh2‑261 entweder dem Orion‑Spur oder dem Perseus‑Arm zugeordnet sein.

Astrofotografisch ist Sh2‑261 ein anspruchsvolles Objekt, da seine Emission überwiegend im H‑Alpha‑Bereich liegt und die Flächenhelligkeit gering ist. Lange Integrationszeiten und schmalbandige Filter (Hα, SII, OIII) sind notwendig, um die feinen äußeren Strukturen und den zentralen Hohlraum sichtbar zu machen. Aufgrund seiner großen Ausdehnung – etwa vergleichbar mit dem Vollmonddurchmesser – eignet sich die Region besonders für Weitfeldaufnahmen. Visuell ist der Nebel selbst unter sehr dunklem Himmel nur als äußerst schwache Aufhellung wahrnehmbar und bleibt damit vor allem ein Ziel für ambitionierte Astrofotografen.

Quellen

Lower, H. A. (1939): The Schmidt Camera, Leaflet of the Astronomical Society of the Pacific, Vol. 3, 207.

Sharpless, S. (1959): A Catalogue of H II Regions, ApJS, 4, 257.

Moffat, A. F. J. et al. (1998): Wolf-Rayet stars and O-star runaways with HIPPARCOS, A&A, 331, 949–958.

Blitz, L., Fich, M., Stark, A. A. (1982): Catalog of CO radial velocities toward galactic H II regions, ApJS, 49, 183–206.

Wang, C. et al. (2017): Molecular Gas toward the Gemini OB1 Molecular Cloud Complex, ApJS, 230, 5.

Foster, T., Brunt, C. M. (2015): A CGPS Look at the Spiral Structure of the Outer Galaxy.

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